10 – 2019 Mamatuckerkind!

Ich gebe es zu, ich bin ein Mamatuckerkind. Allerdings musste ich gerade feststellen, dass es dieses Wort gar nicht gibt. Wenn man es googelt, bekommt man „Mamakind“ oder „Mama Tucker“ zur Auswahl. Wie dem auch sei, ich jedenfalls sage Mamatuckerkind. Das habe ich schon immer so gesagt. Mama war meine erste Ansprechpartnerin wenn es darum ging mich zu beschweren, über Geschehenes zu meckern, wütend auf die ganze Welt zu sein, einfach was zu erzählen, ungewollte Ratschläge zu kriegen, zu Lachen oder zu Weinen.

Das war nicht immer so. Als Kind schon, wenn ich z.B. mit Entengrün übersäht nach Hause lief, weil ich nicht weit genug über den Graben springen konnte. Als pubertierendes Gör und heranwachsende junge Frau nicht mehr. Ich erinnere mich an viele unnötige Streitereien in der Zeit. Meine Mama war zwar immer ein herzensguter Mensch, jedoch auch sehr schnell aufbrausend. Und sie redete IMMER, hatte zu allem was zu sagen. Mein Vater ist eher still und ausgeglichen. Solange bis ihn jemand wirklich auf die Palme bringt.

Dann kam eine Zeit wo ich anderes im Kopf hatte und Besuche zuhause nur nervig waren. Das änderte sich erst, als meine Eltern mit mir eine sehr schwierige Situation gemeinsam durchstanden und ich begriff, dass sie beide immer für mich da sind. Ganz gleich was passiert! Es waren nicht meine Eltern die sich änderten. Es war meine Einstellung zu ihnen und zum Leben, die zu einem gleichberechtigten Umgang auf Augenhöhe (wie man so schön sagt) führten. Wenn gleich das auch nicht immer ohne Streiten ging.

Als Mamatuckerkind konnte ich mich nur mit ihr über Frauensachen unterhalten und über Männer herziehen und lachen. Einmal saß ich mit meiner Clique in meiner Küche und wir feierten ordentlich, als Mama anrief. Sie fragte worüber wir uns so lustig unterhalten. „Wir reden gerade über Sex auf dem Küchentisch.“ antwortete ich wahrheitsgemäß. „Ach…den hatte ich auch mal.“ sagte sie lachend. Irritiert fragte ich: „Mit WEM?“ Und sie: „Na mit deinem Vater natürlich!“ Woraufhin die ganze Küche in lautem Gekicher versank.

Mama und ich wurden richtig gute Freundinnen, was sich später dann in stundenlangem Nachrichten schreiben noch verstärkte. Das geht nun nicht mehr. Ich bin dankbar für die Zeit die da war und das sie meine Mama ist. Mit Papa habe ich nicht so eine dicke Freundschaft entwickelt und er schreibt auch nicht gerne Nachrichten, doch ich liebe auch ihn sehr. Wir kommen gut miteinander klar und er hat einen wunderbar trockenen Humor, den ich sehr mag. Es tröstet mich sehr das er da ist und wir Zeit miteinander verbringen können.

Papa wollte einen Stein für Mama auf dem Familiengrab. Der Friedwald ist zu weit für ihn und Mama soll auch von den Menschen in unserem Dorf nicht vergessen werden. Ich finde dass eine schöne Idee und so habe ich einen kleinen Stein gekauft. Wir machen das selber, denn so ein Richtiger vom Steinmetz kostet ganz schön was. Und wir machen das zusammen. Papa hat ihn mit seiner schönen Schrift schon bemalt. Bevor wir den Stein nun gravieren können, muss ich allerdings erstmal einen Bohrstift kaufen der das kann.

Wir gingen neulich zu den Familiengräbern, denn die brauchten dringend mal wieder Pflege. So gesehen hat ein Baum in einem Friedwald schon sein Gutes. Da braucht man nix Pflegen. Doch gegen das Vergessen werden ist ein Stein gut. Ich fragte Papa nach den Personen auf den Grabmalen und er erzählte mir ihre Geschichten. Nun werde ich für eine hoffentlich noch lange Zeit zum Papatuckerkind, nehme den alten Kissenbezug, mit dem ich als Kind auf seinem Schoß kuscheln durfte, mit ins Bett und genieße es…. Irgendwas ist doch immer!

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