01 – 2020 Wer war vor mir?

Diese Frage stellt man sich schon mal. Zum Beispiel an der Kasse, wenn jemand seinen Porree vergessen hat einzupacken. Oder, wenn man eine neue Wohnung bezieht, und die Nägel alle noch in der Wand stecken. Oder, wenn da eben noch ein Auto vor einem war, das eine feine Ölspur gelegt hat. Oder am Buffet, wenn das begehrte letzte Schnitzel weg ist. Doch diese Frage meine ich nicht. Ich meine die Frage nach denjenigen, die vor mir da waren. Meine Vorfahren, meine Ahnen.

Also mein Vater ist ja noch da. Dann war da meine Mutter, meine Oma und mein Opa natürlich (väterlicherseits), und die andere Oma und der andere Opa auch (mütterlicherseits). Dann gab es noch den leiblichen Vater meiner Mutter, der nie mein Opa war. Die hatten auch alle Eltern, klar. Und die auch wieder, auch klar. Doch hört bei meinen Großeltern die Kette derer auf, die ich kannte. Meine Urgroßeltern habe ich nie kennengelernt und den Vater meiner Mutter auch nicht.

Angefangen hatte alles schon vor einigen Jahren. Als meine Oma starb, hinterließ sie meiner Mutter Briefe von ihrem Vater. Mom erzählte mir davon und das sie immer was von Oma erfahren wollte, die aber nie viel erzählt hat. Mom hatte nur ihre eigenen Erinnerungen davon, wo sie evakuiert waren, und dass sie ihren Vater nie wiedergesehen hat, weil er 1944 doch noch an die Front eingezogen wurde und nicht zurückkam. Kurz bevor Oma mit 89 Jahren starb, hat sie Mom aber doch wohl noch einiges erzählt.

Ich saß damals mit Mom über den Briefen und wir fanden aus den Großbuchstaben der Absätze heraus, wo er sich aufgehalten hatte. Nun, nachdem Mom gestorben ist, fand ich den Ordner mit den Briefen. Und überall Notizen die sie dazu gemacht hatte, in der Handtasche, in der Schublade am Bett, hinten im Jahreskalender eingeklebt. Auch mein Papa hat mir dazu etwas erzählt und meine Patentante auch. Sie ist mit meiner Mom in Berlin aufgewachsen und hatte gar nicht gewusst, warum Mom eine Zeit nicht da war.

Nun hatte mein Papa noch Stammbücher seiner Linie zu bieten. Eines ist tatsächlich 700 Seiten dick und besteht nur aus Namen, Geburts- und Todesdaten, wer wann geheiratet wurde und wie die Kinder heißen. Dahinter Nummern, die zu den weiteren Verwandten führen. Das andere bietet das gleiche, aber in eine spannende Geschichte verpackt und nicht ganz so dick. Beide Linien konnte ich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Ich bin den Verfassern beider Bücher dankbar für die unfassbare Arbeit die da drin steckt.

Aus den Daten die ich nun zusammen hatte, habe ich einen Stammbaum zusammengestellt, der sich nun nicht mehr mit allen weitverzweigten Verwandten beschäftigt, sondern mit der direkten Linie der väterlichen und mütterlichen Seite meines Vaters. Auch die wenigen Daten die ich über Mamas Seite habe sind darin erfasst. Hier werde ich mich noch weiter auf die Suche begeben, um weitere Vorfahren zu finden. Dazu gibt es Portale in denen man in alten Kirchenbüchern und Weinkaufregistern suchen kann. Ich bin gespannt.

Ich empfehle jedem, beizeiten die Verwandtschaft zu fragen und erzählen zu lassen! Auf dieser Suche habe ich auch einen alten Schulkameraden meiner Mutter gefunden, der über die Jahre immer den Kontakt gehalten hat. Auch er hat zu der Geschichte meiner Mutter und ihres Vaters beigetragen. Das alles werde ich aufschreiben und festhalten. Es könnte ja sein das sich meine Nichte und mein Neffe, oder, in vielen Jahren, ein entfernter Nachkomme dafür interessiert wer vor ihm da war…. Irgendwas ist doch immer!

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